Geschichte von 1978 bis 1992
Geschichte des VEB Numerik "Karl-Marx" in Karl-Marx-Stadt
1978 | feiert die DDR ihren 30. Jahrestag und den 160. Geburtstag von Karl-Marx. Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker überreicht am 4. Mai die Urkunde zur Umbenennung des Betriebes in VEB Numerik „Karl-Marx“. Er wurde wieder aus dem Starkstromanlagenbau Leipzig-Halle herausgelöst und dem neuen Kombinat Automatisierungsanlagenbau Berlin zugeordnet. |
1979 | zeigt der VEB Numerik die CNC 600 auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Es handelt sich um die erste frei programmierbare mikroelektronische Steuerung für Fräs-, Bohr- und Drehmaschinen sowie Bearbeitungszentren bis 5 Achsen. Das System 600 verwendet dabei Komponenten des Rechnersystems K1520 vom Kombinat Robotron. Kern ist der Mikroprozessor U880 aus dem Kombinat Mikroelektronik Erfurt, der dem Prozessor Z80 der US-Firma Zilog nachempfunden ist. Die Steuerung verfügt über mehrere Rechner und einen Röhrenbildschirm zur Anzeige. Damit ist sie international wettbewerbsfähig. |
1981 | erfolgt die Serieneinführung der SPS PC600 und des Programmiergerätes PRG 600. |
1982 | erscheinen die Kompaktsteuerungen der Reihe CNC-H 600 als Ergänzung des Systems 600. Diese statt statt in einem Schaltschrank in einem kompakten Gehäuse untergebracht. Als Varianten entstehen eine Punkt-Strecken-Steuerung für Bohr- und Fräsmaschinen, eine Bahnsteuerung für Drehmaschinen und eine Bahnsteuerung für Fräsmaschinen. |
1983 | werden auf der Leipziger Frühjahrsmesse die CNC 600-1, 600-3, PC 600, IRS 650, CNC-H 642 und 645 sowie der Thyristor-Umrichter TDR 100 gezeigt. |
1984 | wird deutlich, dass die hohen Anforderungen an das System 700 nicht ohne weiteres erfüllt werden können. Obwohl geplant war, in diesem Jahr erste Produkte bereitzustellen, ist weder die Bereitstellung einer 16-Bit-Prozessorlinie absehbar noch sind Fortschritte der RGW-Arbeitsgruppe erzielt, da der technologische Stand in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ist und dem der DDR weit hinterherhinkt. Daher wird die Entwicklung einer Kompaktsteuerung 700-K vorangetrieben und auf Druck der SED-Führung eine Entwicklung der TU Karl-Marx-Stadt, Sektion Automatisierungstechnik, als Mikrorechnersteuerung MRS 700 und der daraus abgeleiteten Robotersteuerung IRS 700 in die Produktion übernommen. Diese Entwicklung basiert noch auf dem K1520 System des Kombinat Robotron, wird aber aus strategischen Gründen als System 700 präsentiert, obwohl es ein technischer Rückschritt ist und unnötig Kapazitäten bindet, was zu Unruhen in der Entwicklung führt. |
1985 | geht die Kompaktsteuerung CNC 700 in Serie, nachdem sie bereits 1984 auf der EMO (Exposition Mondiale de la Machine Outil) in Mailand 1984 ausgestellt wurde. Sie ist speziell für Werkzeugmaschinen (Fräsen, Drehen, Bohren, Schleifen) konzipiert. Sie basiert weiterhin auf dem 8-bit-Prozessor U880, verwendet aber auch dessen 16-bit-Nachfolger U8002. |
1988 | erreicht endlich das Baugruppensystem „Modulare Grundbaugruppen“ MGB 7000 Serienreife. Es beinhaltet Rechner-, Speicher-, Kommunikationsbaugruppen, dazu digitale und analoge Ein-/ Ausgabebaugruppen bis hin zu Stromversorgungsmodulen, die über ein mehrrechnerfähiges Rückwandbussystem verbunden werden, welches logisch dem Multibus von Intel entspricht, allerdings in einer störsicheren industriellen Variante, die dem AMS-Bus von Siemens nachempfunden ist. Daraus können anwenderspezifische Steuerungslösungen konfiguriert werden. |
1989 | wird als erste Variante einer numerischen Steuerung die CNC 7010 präsentiert. In der Entwicklung ist derweil bereits eine Zentraleinheit mit dem 16-bit-Prozessor U80601, der im Kombinat Mikroelektronik Erfurt hergestellt wird und dem Intel i80286 entspricht. Trotzdem ist deutlich, dass insbesondere die Bauelementeindustrie der DDR nicht mit der internationalen Entwicklung Schritt halten kann. |
1990 | verfügt die letzte DDR-Regierung, die VEB in Kapitalgesellschaften umzuwandeln. Aus dem VEB Numerik „Karl Marx“ entsteht am 18. Juni die Numerik GmbH mit einem Stammkapital von 70 Millionen Mark der DDR, das als Gesellschafter die neu gebildete Treuhandanstalt hielt. Doch die Währungsunion mit Einführung der D-Mark lässt das Geschäft zusammenbrechen. Die ostdeutsche Werkzeugmaschinenindustrie kauft Steuerungen vorwiegend von Siemens, und das Geschäft mit den RGW-Staaten brach ein, da diese nicht mit D-Mark bezahlen konnten. |
1991 | entsteht die Siemens Automatisierungstechnik Chemnitz GmbH (SAC), die Mieter im Betriebsgelände Glösa der Numerik GmbH wird. Die Betriebsleitung übernehmen Dr. Jochen Häusler aus Berlin und Dr. Peter Wernicke aus Erlangen. Insgesamt werden etwa 850 Mitarbeiter von Numerik übernommen. Etwa 120 Entwickler werden als Bereich F / E der AUT 1 (SPS) und der AUT 2 (CNC) unterstellt. Die meisten von ihnen arbeiten ein Jahr in der Entwicklung in Erlangen an Projekten der Steuerungsfamilie Sinumerik. Der Kundendienst und das Maschinentestzentrum werden ebenfalls übernommen. Der Teil der Fertigung, die Siemens übernimmt, wird zum Gerätewerk Chemnitz. Aus der Vertriebsabteilung entsteht wieder ein Technisches Büro Chemnitz. |
1992 | werden weitere 150 Stellen abgebaut. Das Technische Büro wird in die Zweigniederlassung Chemnitz (ZN) der Siemens AG umgewandelt, entsprechend der Struktur in den alten Bundesländern. |