Geschichte von 1946 - 1977
Geschichte des Anlagenbaus und Anfänge der Automatisierungstechnik
1946 | wird per Volksentscheid die Enteignung kriegswichtiger Betriebe beschlossen. Dazu zählen auch die Siemens-Schuckert-Werke. Da der Hauptsitz aber im britischen Sektor von Berlin liegt, interveniert SSW. Deshalb wird das Technische Büro treuhänderisch von der Landesregierung Sachsen übernommen. Das TBSSW übernimmt nun Aufträge Chemnitzer kommunaler Einrichtungen und Betriebe. |
1947 | bekennen sich die Technischen Büros in Sachsen zur Planwirtschaft, arbeiten aber weiterhin unter Kontrolle des Berliner Stammhauses. |
1948 | werden die Technischen Büros der Siemens-Schuckert-Werke und der AEG mit Sitz in der Theaterstraße 34 endgültig enteignet und als eigenständige Betriebe in die Vereinigung volkseigener Betriebe des Elektromaschinenbaus (VEM) eingegliedert. |
1949 | werden das TBSSW in der Kantstraße und das TBAEG in der Theaterstraße zusammengelegt zum VEM Anlagenbau Chemnitz. Hauptaufgabe wird die Konstruktion, Projektierung und Montage elektrischer Anlagen. In der Folgezeit werden aber auch z.B. für das Motorradwerk Zschopau Schalttafeln produziert. |
1951 | beginnt die Entwicklung und Fertigung von festverdrahteten Maschinensteuerungen in Zusammenarbeit mit dem Drahtziehmaschinenwerk Kratos in Grüna. In der Folge werden Maschinensteuerungen für die Werkzeugmaschinenhersteller VEB Fritz-Heckert-Werk (hervorgegangen aus der Werkzeugsparte der Wanderer-Werke) und VEB Modul (hervorgegangen aus dem Pfauter-Werk) in Chemnitz sowie dem VEB Bergmann-Borsig in Berlin hergestellt. |
1952 | reichen die Fertigungskapazitäten in der Theaterstraße, der Kantstraße und dem neu hinzugekommenen Standort Fürstenstraße (Haferkamp & Reichel Elektromotorenreparatur) nicht mehr aus. Die Stadt übereignet dem Anlagenbau das Grundstück der ehemaligen Plüschweberei Irdel, Rebling & Jähnig auf der Heinrich-Lorenz-Straße, eigentlich eine Ruine, die von der Belegschaft zur Fertigungsstätte ausgebaut wird (HEILO). Die Firma wird nun als VEB Anlagenbau Chemnitz in das Wirtschaftsregister eingetragen. |
1953 | gibt es eine weitere Namensänderung auf Grund der Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt. Der Betrieb heißt von nun an VEB VEM Starkstromanlagenbau Karl-Marx-Stadt. Wie aus dem Namen zu erkennen ist, steht die Produktion von Steuerungssystemen nicht im Fokus, wird aber weitergeführt. |
1960 | werden in einem Katalog des VEM Starkstromanlagenbau eine ganze Reihe von Maschinensteuerungen aufgeführt, die in Relaistechnik ausgeführt und in Schaltschränke eingebaut werden. Fast alle Technologien, von Werkzeugmaschinen bis zur chemischen Industrie und dem Bergbau werden dabei bedient. Hauptaufgabe bleibt aber die Projektierung und Herstellung von Hochspannungsschaltzellen, Niederspannungsverteilanlagen, Freiluftschaltanlagen und anderen Anlagen für die Energieversorgung. Die Fertigung findet größtenteils direkt auf Baustellen beim Kunden statt. Die waren auch in Ungarn, China oder Kuba. Doch die Fertigung von Schalttafeln und –schränken gewinnt zunehmend an Bedeutung, elektrotechnische Erzeugnisse sollen dem internationalen Stand angepasst werden, die Firma Siemens in der BRD gilt dabei als Maßstab. |
1962 | entscheidet das Ministerium, dass der Starkstromanlagenbau Karl-Marx-Stadt (SAK) sich auf das Gebiet der Steuerungstechnik für Werkzeugmaschinen spezialisieren soll. Die wichtigste Kunden sind ebenfalls in Karl-Marx-Stadt und Sachsen ansässig. Um die Anlagenprojektierung zu vereinfachen, wird über werkseigene Normen die Standardisierung vorangetrieben. |
1964 | beginnt die Produktion der Bahnsteuerung PARAMAT, die im ZIF auf der Basis von Relaistechnik entwickelt wurde. |
1965 | wird eine Forschungsabteilung für numerische Steuerungen gegründet. Die Leitung übernimmt Dr. Ing. Hans-Jochen Bartsch (+2008), dessen „Taschenbuch mathematischer Formeln für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ auch 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung zu den Standardwerken angehender Ingenieure gehört. Dies ist der entscheidende Wendepunkt vom Anlagenbauer zum Steuerungsentwickler und –hersteller. Die Belegschaft ist inzwischen auf 2000 Mitarbeiter angewachsen. Der Ministerrat der DDR ernennt den SAK zum „Zentrum für numerische Steuerungen“. |
1967 | stellt der Betrieb auf der Leipziger Messe die erste selbst entwickelte numerische Steuerung BMRS 25XY NC für eine Mehrspindelbohrmaschine vor. |
1968 | wird das Werkzeugmaschinenkombinat „Fritz Heckert“ in Karl-Marx-Stadt gegründet, zu dem neben dem Stammwerk u.a. auch die WEMA Union, WEMA Auerbach, WEMA Saalfeld und Mikromat Dresden gehören. |
1969 | erscheint auf der Leipziger Frühjahrsmesse mit der BNC 3 die erste universelle, also nicht auf eine konkrete Maschinenreihe angepasste numerische Steuerung für 3 Achsen. Basis waren Logikbausteine auf Germaniumtransistorbasis „WEMALOG“. Die Entwicklung erfolgte noch weitgehend im Zentralinstitut für Fertigungstechnik (ZIF) und wurde im SAK in die Produktion überführt. |
1970 | wird der Anlagenbau aus dem SAK ausgegliedert und zum Starkstromanlagenbau Leipzig-Halle verlagert. Es werden massiv Hoch- und Fachschulabsolventen für die Forschung und Entwicklung eingestellt, aber auch gewerbliche Mitarbeiter, darunter auch Gastarbeiter aus Ungarn. Die Zahl der Lehrlinge steigt von 75 auf 200. |
1971 | entsteht aus dem Zusammenschluss des ZIF mit dem Institut für Werkzeugmaschinen und dem Institut für Werkzeuge und Vorrichtungen, alle in Karl-Marx-Stadt ansässig, das Forschungszentrum für Werkzeugmaschinenbau (FZW) in der Annaberger Straße. Dort entwickelt sich wichtiges Knowhow für Maschinentechnologien, das in die Steuerungsentwicklung einfließt. |
1974 | geht das System NC 400 in Serienfertigung. Dazu gehören eine Positionsanzeigen, Punkt-Streckensteuerungen für 3 Achsen und 6 Achsen und eine Bahnsteuerung für 5 Achsen. Neben einer Anzeige in Röhrentechnik gibt es einen Lochstreifenleser, Transistorpulssteller für Gleichstrommotoren, Anpass- und Leistungsteile in Relaistechnik. Die Logikbaugruppen bestehen aus integrierten Schaltkreisen, die in der DDR als D100-Reihe im Halbleiterwerk Frankfurt/Oder produziert werden und auf dem TTL-System von Texas Instrument und Fairchild Semiconductors beruhen. |
1975 | kommt es zu einem starken Produktionseinbruch, da die Verlagerung an den neuen Standort nicht ohne Probleme abläuft. Davon wird der Maschinenbau schwer getroffen. Der Betriebsleiter Schreckenbach wird von seiner Funktion entbunden, der Betrieb dem VEB Starkstromanlagenbau Leipzig-Halle unterstellt und Siegfried Zugehör als Werkleiter eingesetzt. Bis 1977 erholte sich der Betrieb jedoch wieder. Die Entwicklung des Steuerungssystems 600 beginnt. Gleichzeitig wird das „Einheitliche Gefäßsystem“ EGS eingeführt, um die Konstruktion und Fertigung von Schaltschränken, Einschubkassetten und anderen mechanischen Teilen zu vereinfachen. |