Geschichte der Automatisierungstechnik in Chemnitz und Karl-Marx-Stadt
Die Geschichte der Automatisierungstechnik beginnt mit der Industrialisierung und der Entwicklung der Elektrotechnik.
Deutsche Ingenieure haben daran einen herausragenden Anteil. Als sich Chemnitz zu einer der größten Industriemetropolen im Deutschen Reich entwickelt, kommen auch die führenden Elektrotechnikunternehmen, allen voran die Siemens-Schuckert-Werke, hierher.
Die Elektrifizierung ist der nächste Schritt nach der Dampfmaschine. Und die sich daraus entwickelnde Elektrotechnik bietet die Voraussetzung, Fertigungsprozesse in großem Maßstab zu automatisieren. Der Ersatz mechanischer Komponenten durch elektrische ermöglicht es, Prozesse zu steuern und die Produktivität enorm zu steigern. Mit dem Einzug von Computern erfährt schließlich auch die Steuerungstechnik einen Wandel von rein elektrotechnischen zu programmierbaren Lösungen und der Umsetzung von Steuerungsalgorithmen in Computerprogramme.
Alle diese Phasen hat die Chemnitzer Industriegeschichte miterlebt. In Karl-Marx-Stadt hatte sich einst mit dem VEB Numerik Karl-Marx der größte und wichtigste Entwickler und Hersteller von Automatisierungssystemen im sogenannten sozialistischen Wirtschaftsraum etabliert, der alle osteuropäischen Länder, die Sowjetunion, China, Kuba und zeitweise einige afrikanische Länder umfasste.
Zeitstrahl zur Geschichte:
Die folgende Darstellung ist in die Zeitabschnitte bis 1945, 1946 - 1977 und 1978 - 1992 gegliedert.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Produktion von Steuerungen in Chemnitz eingestellt. Die von der Siemens AG übernommenen Bereiche wurden 1992 in den Bereich Siemens Automation eingegliedert.
Der Standort wandelte sich zum Schaltschrankbauer und Hersteller von kundenspezifischem Zubehör für die Automatisierungstechnik. Die Entwicklung von Steuerungen (CNC und SPS) wird aber bis heute weitergeführt, deren Herstellung erfolgt an den Siemens-Standorten in Erlangen, Amberg und Nanjing (China). Die FM-NC, Sinumerik 802 und das Erfolgsmodell Sinumerik 828 haben hier ihren Ursprung, dazu das Simatic ET200 System. Vor allem aber werden hier immer noch technologische Lösungen für komplexe und komplizierte Steuerungsaufgaben entwickelt und erprobt. Das Know How der in Karl-Marx-Stadt wirkenden Ingenieure und Wissenschaftler hatte Weltniveau.
Wer heute durch Chemnitz geht, merkt davon nicht mehr viel. Das ehemalige Betriebsgelände des VEB Numerik ist heute ein Industriepark, wie es in fast jeder Stadt einen oder mehrere gibt. Aus Numerik wurde Kiremun, und heute erinnert im A4-Gewerbepark nichts mehr an diese Geschichte.
Da, wo einst geforscht und entwickelt wurde, befindet sich heute das Zollamt Chemnitz.
Dafür gibt es noch Forschungs- und Entwicklungsbereiche an den Standorten Clemens-Winkler-Straße 3, Leipziger Straße 400 und Zwickauer Straße 433.